Du willst einen ersten Einblick über die Themen haben, mit denen wir uns beschäftigen? Dann bist du hier genau richtig! Hier findest du die wichtigsten Infos über Menschenhandel, Prostitution, Pornografie und Arbeitsausbeutung. Noch mehr Information findet ihr in Kürze auf unserem Blog. Wenn du genaueres wissen willst, oder nach einer bestimmten Info suchst, meldet dich einfach unter info@lightup-movement.at

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung nennt als Ziel 8.7. die Ergreifung sofortiger und wirksamer Maßnahmen, um Zwangsarbeit abzuschaffen, moderne Sklaverei und Menschenhandel zu beenden. Zu diesem Zeil wollen wir mit lightup beitragen.

„Menschenhandel ist der Handel von Menschen in besonderer Hilflosigkeit, durch Androhung oder Anwendung von Gewalt sowie Manipulation, zum Zwecke der Ausbeutung.“ (UN Definition)

Die Nachfrage nach der „Ware Mensch“ ist heute erschreckender Weise größer, als noch vor der Abschaffung der Sklaverei 1807 durch William Wilberforce. Die sexuelle Ausbeutung steht weltweit an erster Stelle.

Darum sehen wir als Organisation großen Handlungsbedarf hinsichtlich der gesetzlichen und gesellschaftlichen Lage bezüglich der Themen Prostitution und Pornografie, sowie Arbeitsausbeutung und Fast Fashion.

Menschenhandel umfasst folgende 5 Bereiche:

  • sexuelle Ausbeutung

  • Zwangsarbeit

  • organisierte Bettelei

  • Zwang zu kriminellen Handlungen

  • Organhandel

Es sind 72% Frauen und Mädchen und 28% Männer und Buben von Menschenhandel betroffen.

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Der Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung macht mit ungefähr 59% den größten Anteil aus. Dieser Bereich betrifft fast gänzlich Mädchen und Frauen (94%) und ist auch jener Bereich auf den sich lightup hauptsächlich fokussiert.

Männer und Buben sind vor allem von Arbeitsausbeutung und Zwangsarbeit betroffen (65%).

Man darf aber auch nicht außer Acht lassen, dass an die 27% der Betroffene Buben, Opfer von sexueller Ausbeutung sind.

WELCHE LÄNDER

Es sind alle Staaten der Welt involviert, entweder als Herkunfts-, Transit- oder Zielländer.

WIEVIELE OPFER

Menschenhandel zählt, neben dem Drogen- und Waffenhandel, zu den profitabelsten kriminellen Geschäften weltweit. Sowohl Europol als auch die Polizeibehörden vieler Mitgliedstaaten gehen davon aus, dass Menschenhandel das zurzeit am schnellsten wachsende kriminelle Gewerbe ist. Es ist nicht ganz leicht, Zahlen über die Opfer weltweit zu bekommen, die der Realität entsprechen.

Im Jahr 2017 waren Schätzungen zufolge 40,3 Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel.

Laut Schätzungen der Vereinten Nationen und der ILO gibt es heute zwischen 10-30 Millionen gehandelte Menschen.

WARUM

Nach Schätzungen der UNODC werden in Europa jährlich um die 32 MRD Euro durch Menschenhandel verdient. Es geht also vor allem um Geld. Aber auch die Nachfrage nach billigen Arbeitskräften und sexuellen Dienstleistungen ist groß und wachsend. Ein Angebot gibt es nur, wenn die Nachfrage danach besteht.

Aber auch die Armut in den Herkunftsländern schafft Voraussetzungen dafür,  dass Menschen dort zu Opfern werden. Sie ist also ein enormer Push-Faktor.

MENSCHENHANDEL IN ÖSTERREICH

Österreich befindet sich im Herzen Europas und ist durch die vielen angrenzenden Länder, insbesondere Osteuropa, ein Transit- und Zielland von Menschenhandel.

Jährlich gibt es in Österreich ca. 350 identifizierte Fälle von Menschenhandel, die Dunkelziffer dürfte noch weit darüber liegen.

Laut Eurostat Bericht der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2013 kommen die überwiegende Anzahl der Opfer von Menschenhandel aus EU Ländern wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn, bei nicht-EU Ländern sind es Nigeria und China.

Die in Österreich häufigsten Formen von Menschenhandel sind: Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, Arbeitsausbeutung von Hausangestellten (besonders häufig in Diplomatenhaushalten) und Bettelei, wobei der Handel zur sexuellen Ausbeutung, wie auch im restlichen Europa, der Spitzenreiter ist.

Europaweit macht Kinderhandel einen erschreckend hohen Anteil am globalen Verbrechen aus. Der Eurostat Report berichtet durch die Zusammenarbeit mit der österreichischen Executive von 70 bis 460 nach Österreich gehandelten Kindern. Nach Österreich werden Kinder hauptsächlich zum Zweck der sexuellen Ausbeutung gebracht oder als Taschendiebe ausgebildet bzw zur Bettelei gezwungen.

WAS IN ÖSTERREICHFEGEN MENSCHENHANDEL GETAN WIRD

Seit 2004 gibt es eine Task Force Menschenhandel unter der Leitung des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres.

Im Jahr 2005 übernahm Österreich das sogenannte „Palermo Protokoll“ der Vereinten Nationen zur Prävention, Bekämpfung und Bestrafung von Menschenhandel. Die Implementierung dieser Standards wird von der GRETA (Group of Experts on Action against Trafficking in Human Beings) überprüft.

Österreich ist auch Teil der aktuellen EU Strategie zur Bekämpfung von Menschenhandel 2012-2016.

JEDE UND JEDER IN ÖSTERREICH PROFITIERT VON DER AUSBEUTUNG ANDERER MENSCHEN

 „How many slaves work for you?“ – diese etwas makabre Frage wird auf der Startseite von Slaveryfootprint (https://slaveryfootprint.org/) gestellt. Mithilfe einer umfangreichen Befragung kann diese Frage individuell beantwortet werden und schärft das Bewusstsein für den eigenen ausbeuterischen Konsum. Auch das Konsumverhalten unserer Gesellschaft (Stichwort: Kaufrausch, Wegwerfgesellschaft, „Ware Mensch“), wollen wir kritisch hinterfragen. Unser Konsum hat zahlreiche negative Folgen für andere Menschen. Mit lightup wollen wir junge Menschen für die Zusammenhänge zwischen Angebot und Nachfrage sowie die Macht der Konsument/-innen sensibilisieren.

Quellen:

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Arbeitsausbeutung

Ein Drittel des Menschenhandels passiert in Form von Arbeitsausbeutung. Weltweit sind davon 65% Männer/Bube und 35% Frauen/Mädchen betroffen.

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Laut ILO (Internationale Arbeitsorganisation) waren 2017 24,9 Millionen Menschen von Zwangsarbeit betroffen.

Eine große Dunkelziffer an Menschen bleibt, die als ErntehelferInnen, am Bau, in Haushalten und in der Kleidungsindustrie ausgebeutet werden. Viele Menschen bekommen nicht einmal den Mindestlohn bezahlt, haben keinen Kollektivvertrag oder Gewerkschaften hinter sich, schlafen an ihrem Arbeitsplatz oder haben keine Arbeitsrechtlichen und Gesundheitsrechtlichen Absicherungen. Oft herrschen Gewalt, Einschüchterung und Zwang im Arbeitsumfeld.

ARBEITSAUSBEUTUNG IN ÖSTERREICH

Fälle von Arbeitsausbeutung sind in Österreich vor allem im Haushalt, in der Pflege, im Gastgewerbe, am Bau und in der Landwirtschaft bekannt. Das Ausbildungsniveau, sprachliche Barrieren und die Herkunft spielen hier eine große Rolle. Prekäre Arbeitsbedingungen und Isolation erhöhen das Risiko, ausgebeutet zu werden.

2017 wurden in Österreich 61 Opfer von Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung, Bettelei oder zum Zwang zu kriminellen Handlungen erfasst.

FAST FASHION

Der Begriff „Fast Fashion“ ist seit über 15 Jahren präsent - angeführt von Modemarken wie Zara, H&M und Co., die Kleidung in Übermengen und zu günstigen Preisen produzieren. Unternehmen wie Primark oder KiK treiben es dabei auf die Spitze. Hier kostet ein T-Shirt manchmal nur 99 Cent und eine Hose nur 8 Euro. Hier findet ihr einige Infos zu diesem Thema, denn Arbeitsausbeutung existiert in der Modeindustrie und betrifft uns alle:

„In einem gewissen Sinne treiben wir es voran. Unsere Nachfrage, unser Verbrauch von hochwertigen Produkten zu niedrigen Kosten bedeutet, dass irgendwo irgendwer den echten Preis bezahlen muss. Und das ist etwas, was wir uns eingestehen müssen.“ - Steve Trent (Environmental Justice Foundation)

DIE BEKLEIDUNGSPRODUKTION HAT SICH VON 2000 BIS 2014 VERDOPPELT
- MIT VERHEERENDEN AUSWIRKUNGEN.

2014 wurden mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke neu produziert. Im Schnitt besitzen die ÖsterreicherInnen 85 Kleidungsstücke, das sind hochgerechnet auf ganz Österreich mindestens 547 Millionen Teile Die Hälfte der Kleidung hat eine Lebensdauer von weniger als 3 Jahren.

In Österreich liegen 72 Millionen Kleidungsstücke ungetragen oder kaum getragen im Kasten.

Dabei sind unsere Kleiderschränke voll und wir haben eigentlich mehr Kleidung, als wir benötigen: Umfragen von Greenpeace belegen, dass so gut wie jeder Kleidungsstücke im Schrank liegen hat, die nie getragen werden. Mode ist so günstig wie nie zu kaufen, deswegen wird Kleidung ohne großes Zögern gekauft. Und weil Mode so günstig ist, ist sie zur Wegwerfware verkommen. Viele werfen ihre Kleidung nach nur wenigem Tragen in Altkleidercontainer - 1,3 Millionen Tonnen jährlich landen in solchen (Greenpeace 2017: 1ff; Greenpeace 2015).

„Kleidung muss nicht mehr lange halten, sondern vor allem den schnell wechselnden Trends folgen: Rund die Hälfte der ÖsterreicherInnen sortiert Kleidung aus, weil sie nicht mehr gefällt oder mehr Platz im Schrank benötigt wird. Das gilt auch für Kleidung, die keinerlei Mängel aufweist. Ebenfalls geben 50 Prozent der ÖsterreicherInnen an, dass ihre Kleidung nach dem Gebrauch in der Mülltonne landet - etwas weniger wird gespendet.“ (konsum.greenpeace.at)

Dabei vergessen wir, dass Kleidungsherstellung ein aufwändiger Prozess für Mensch und Umwelt ist und die Konsequenzen der Wegwerfware schwer sind. Billigmode ist am Ende dann doch teuer.

VIELE ARBEITER/INNEN IN DER TEXTILINDUSTRIE ERLEBEN KEINE ARBEITSRECHTE.

Überstunden und Arbeit in den offiziellen Pausen ist oft an der Tagesordnung, oft wird bis zu 14 Stunden am Tag gearbeitet, um dem Zeitdruck der Überproduktion stand halten zu können. Berichten zufolge gibt es nur begrenzte Zeiträume für Toilettengänge oder es wird Einzelnen vorgeschrieben, wann sie zur Toilette gehen dürfen. Schwangere müssen dieselbe Arbeit wie Nichtschwangere leisten. Nur etwa ein Fünftel aller Arbeiter/innen weltweit haben einen festen Arbeitsvertrag (EKD 2018: 10).

VIELE MENSCHEN IN DER MODEINDUSTRIE ARBEITEN UNTER SCHLECHTEN BEDINGUNGEN: DAS ARBEITSUMFELD IST SCHMUTZIG UND UNSICHER.

90 % unserer Kleidung kommt aus Asien, der Großteil aus China. In Myanmar haben sich zwei Drittel der Arbeiter/innen bei der Arbeit schon einmal verletzt. Ein anderes Beispiel: am 24. April 2013 ist das Rana Plaza Gebäude in Bangladesch zusammengebrochen. 1138 Menschen sind bei dem Unglück gestorben, weitere 2500 Personen wurden dabei verletzt. In diesem Gebäude wurde für verschiedene bekannte Modelabels Kleidung produziert unter anderem für Primark.

VIELE ARBEITER/INNEN SIND OPFER VON GEWALT.

Das indonesische Sedane Labour Resource Center (kurz: LIPS) führt Studien zu Arbeitsbedingungen in der Industrie durch und konzentriert sich dabei auf Arbeitnehmerrechte. Deren Berichten zufolge gibt es mehrere Folgen von Gewalt auch in der Textilindustrie. Es wird von Demütigungen, körperlichen Angriffen durch Schläge und sexueller Gewalt berichtet. In einem Fall wurde einer Frau eine Arbeitsstelle gegen eine sexuelle Handlung angeboten (EKD 2018:11).

EIN GROSSTEIL DER ARBEITER/INNEN IN DER MODEINDUSTRIE LEBT IN ARMUT.

Die meisten können sich selbst Lebensnotwendiges nicht leisten, sie werden dafür zu schlecht bezahlt. Denn laut einer Studie geht nur 18 Cent an diejenigen, die das T-Shirt genäht und gefertigt haben, wenn ein T-Shirt 29 Euro kostet. Der Rest des Geldes geht an die Unternehmen, Zwischenhändler/innen, Lieferant/innen, usw. Und auch wenn der Mindestlohn nach dem Unglück im Rana Plaza 2013 angehoben wurde, verdienen die vier Millionen Näherinnen und Näher in Bangladesch mit am wenigsten weltweit. Der monatliche Mindestlohn liegt bei rund 60 Euro. Das bedeutet einen Durchschnittsstundenlohn von 32 Cent pro Stunde. Bis zum heutigen Tag zeigt die Textilindustrie kein Interesse, das zu ändern (Fries, Teresa 2017, Fashion Revolution 2017).

LAUT EINER STUDIE DER ETHICAL TRADING INITIATIVE HALTEN 71 % DER BEFRAGTEN TEXTILUNTERNEHMEN MODERNE SKLAVEREI INNERHALB IHRER FABRIKEN FÜR MÖGLICH.

Die Zahl der Fabriken und Zulieferbetriebe ist groß und unübersichtlich, besonders im asiatischen Raum, was Kontrollen zu Arbeitszeiten, Arbeitsrechten, etc. erschwert. Weltweit sind ca. 40, 3 Millionen Menschen Opfer von moderner Sklaverei, 25 Millionen davon in Zwangsarbeit. Es ist unklar, wie groß der Anteil der Textilindustrie daran ist (EKD 2018: 9; ILO 2017).

„Inmitten all dieser Herausforderungen, die uns heute bevorstehen, all die Probleme, die sich größer anfühlen als wir es sind, und außerhalb unserer Gewalt sind, könnten wir vielleicht hier mit unserer Kleidung anfangen.” - aus: The True Cost

Wir als Konsument/innen aber können etwas gegen Ausbeutung in der Textilindustrie tun, durch unseren Kauf ein Zeichen setzen und einen Beitrag zur Veränderung leisten. Wir von lightup veranstalten auch regelmäßige Kleidertauschartys. Darüber halten wir dich auf unseren Social Media Accounts auf dem Laufenden.

In Kürze werdet ihr hier auch einige Vorschläge von fairen und nachhaltige Labels finden, die sich gegen die Fast Fashion Industrie wehren.

Spoiler Alert: Die machen richtig stylische und schöne Mode ;-).

Quellen „Fast Fashion“:

  • Dowideit, Anette/Wisdorff, Flora (2015): So funktioniert das Modell des Ramschladens Primark. Zugriff am 06.04.2019 unter https://bit.ly/2P4K522

  • EKD (2018): Mode um jeden Preis? - Menschenrechte in der Textilindustrie. Zugriff am 06.04.2019 unter https://bit.ly/2YURaHD

  • Fashion Revolution (o.J.): Why we need a Fashion Revolution. Zugriff am 06.04.2019 unter https://bit.ly/2HzmOEF

  • Fries, Teresa (2017): Fast Fashion in Zahlen - „Menschen sterben für unsere Klamotten”. Zugriff am 06.04.2019 unter https://bit.ly/2KiM4lb 

  • Greenpeace (2017): Konsumkollaps durch Fast Fashion. Zugriff am 06.04.2019 unter https://bit.ly/2sWMAw8 

  • Greenpeace (2015): Wegwerfware Kleidung. Bonprix Modestudie 2016 

  • https://konsum.greenpeace.at/fast-fashion-wenn-mode-zu-m%C3%BCll-verkommt/ 

  • International Labour Office (2017): Global Estimates of Modern Slavery - Forced Labour and forced marriage, Executive Summary, Genf. Zugriff am 09.04.2019 unter https://bit.ly/2OW9YS2 

 Quellen

  • Global Report on Trafficking in Persons 2018, UNODC, United Nations

  • ILO- International Labour Organization

  • Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel

  • http://gegenmenschenhandel.at/wp-content/uploads/2016/02/Positionspaper_Arbeitsausbeutung_Jaenner2017.pdf

  • Arbeitsgruppe „Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung“ des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz im Rahmen der österreichischen Task Force Menschenhandel Bericht für die Jahre 2015 - 2017

  • Bundeskriminalamt- https://bundeskriminalamt.at/303/files/Menschenhandel_17.pdf

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sexuelle Ausbeutung

Die sexuelle Ausbeutung macht weltweit die größte Ausbeutungsform aus. Betroffen sind hier meist Frauen und Mädchen (83%). Aber auch minderjährige Buben sind betroffen.

Diese Form der Ausbeutung findet hauptsächlich im legalen Prostitutionsgewerbe statt. Mehr dazu findest du auf der Seite „Prostitution“ (verlinken)

Quellen

  • Global Report on Trafficking in Persons 2018, UNODC, United Nations

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Prostitution

Prostitution ist ein Thema, dass selten angesprochen wird und als Tabuthema gilt. In Österreich wird sie von einem Großteil der Gesellschaft nicht hinterfragt, mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis genommen und als „Job wie jeder andere“ abgetan. Auch deswegen, sind viele Mythen um das Thema entstanden, mit denen wir uns als Organisation lightup beschäftigen und hoffen, ein Licht auf die Geschichten und Erfahrungen von Menschen in der Prostitution zu werfen.

PROSTITUTION IST DAS ANBIETEN VON SEXUELLEN HANDLUNGEN GEGEN ENTGELT.

Es gibt unterschiedliche Definitionen was Prostitution ist und was sie ausmacht. Das Bundeskriminalamt definiert Prostitution als „gewerbsmäßig und gegen Entgelt erbrachten sexuellen Handlungen mit Körperkontakt.“ (Lagebericht 2014)

In der Praxis können neben Geld auch materielle Güter, z. B. Drogen, ein Zahlungsmittel darstellen (Schrader 2013: 23).

Der ehemalige deutsche Kriminalhauptkommissar Paulus betont in seiner Definition, dass es bei Prostitution um das „Anbieten des eigenen Körpers zur sexuellen Befriedigung anderer Personen gegen materielle Entlohnung“ geht (Paulus 2016: 5).

FREIWILLIGKEIT?

Der bekannte Philosoph Jean-Jacques Rousseau sagte, dass die Freiheit des Menschen nicht darin liegt, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will. Die meisten Personen in der Prostitution haben aber keine wirkliche Wahlmöglichkeit.

Die Grenzen im Bereich der Prostitution und im Sexgewerbe sind oft nicht klar zu ziehen und eine klare Einteilung in „freiwillig“ und „nicht freiwillig“ ist sehr schwierig. Es ist wichtig zu erwähnen, dass wir nicht glaube, dass alle Frauen und Männer in der Prostitution gezwungen werden. Es ist uns aber wichtig, dass die Stimmen derer gehört werden, die durch schlechte Lebensumstände, Missbrauch, Armut und Perspektivenlosigkeit in der Prostitution gefangen sind. Opferschutzeinrichtungen sprechen nach ihren Einschätzungen von 5% Freiwilligkeit, 20% Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung (=direkter Zwang) und einem 75% „Graubereich“, der nicht klar definierbar ist. Also Menschen, die nicht direkter Gewalt bedroht werden, aber deren Umstände sie zur Prostitution zwingen.

Auch von Seiten der Polizei gibt es, zumindest in Deutschland, einige kritische Stimmen. So schätzen beispielsweise die Polizisten Sporer aus Augsburg oder Ubben aus Hamburg den Anteil derer, die sich aufgrund unterschiedlichster Zwänge prostituieren, sogar auf bis zu 90 % bzw. 95 % (Sporer 2013: 5; Andrick 2012).

 Sandra Norak, die selbst einige Jahre in der Prostitution war und den Ausstieg geschafft hat, sagte in einem Interview mit uns folgendes: „Wenn man tiefer blickt, sieht man, dass die Lebensumstände die Menschen in die Prostitution gezwungen haben. Es ist wie wenn jemand von einem brennenden Gebäude springt – man kann natürlich sagen derjenige hat freiwillig gewählt zu springen. Man kann aber auch sagen, diese Person hatte keine Wahl. Ich möchte nicht leugnen, dass es Menschen gibt, die sich prostituieren und für die es okay sein mag, aber das ist nicht die große Masse, sondern nur ein kleiner Bruchteil. Für die große Masse bedeutet Prostitution gefangen zu sein. Gefangen in einem Leben voller Gewalt und voller Lügen. Prostitution bedeutet für diese Menschen ein enormes Ausmaß an unsagbarem, nie wieder gut zu machendem Leid.“ (aus dem Interview im Jahresbericht von lightup Deutschland)

ZAHLEN UND FAKTEN

„Die Ausübung der Prostitution ist in Österreich durch Bundes- und Landesgesetze geregelt und daher unter Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen legal. Seit 1984 sind Sexdienstleisterinnen und Sexdienstleister einkommenssteuerpflichtig, die Möglichkeit der Sozialversicherung folgte 1998. Der Oberste Gerichtshof hat am 18. April 2012 sein Urteil aus dem Jahr 1989 revidiert und festgestellt, dass bezahlte Sexdienstleistungen nicht mehr sittenwidrig sind.“ (BKA 2017)

97% der in Wien registrierten Menschen in Prostitution, kommen aus dem Ausland. Die Meisten kommen aus Rumänien, Ungarn, Bulgarien, der Slowakei, China oder Nigeria.

Mit Stand 2017 waren beim Bundeskriminalamt an die 354 Rotlichtbetriebe gemeldet, die hauptsächlich als Bordelle, Laufhäuser, Saunaclubs, Go-Go-Bars, Bars, Studios, Animierlokale sowie Peep-Shows geführt werden.

Abhängig von dem Ort der Prostitutionsausübung variieren z. B. Preise, Sicherheit oder Gewaltrisiken. In den letzten Jahren gewinnt das Anbieten von Sexdienstleistungen via Internet sowie in Laufhäusern immer mehr an Bedeutung.

Die Wohnungsprostitution - also die Ausübung sexueller Dienstleistungen in Privatwohnungen - ist in allen

Bundesländern verboten. Ein großer Trend sind auch Großbordelle, in denen bis zu 60 Frauen der Prostitution nachgehen.

IN DER PROSTITUTION SIND MIT GROSSER MEHRHEIT FRAUEN TÄTIG. SEXKÄUFER SIND HINGEGEN ZUM GROSSTEIL MÄNNLICH

2017 waren 3442 Frauen in der Prostitution registriert. Im Gegensatz dazu waren 66 Männer registriert.

Leider gibt es wenige empirische Studien in diesem Bereich. Man geht aber davon aus, dass ein sehr großer Teil der Nachfrage nach Prostitution von Männern kommt. Auch männliche Prostituierte werden großteils von Männern gekauft.

PROSTITUTION UND DAS GELD

Viele glaube, dass Menschen in der Prostitution viel Geld verdienen und rechtfertigen damit, dass Prostitution ja „ganz okay“ sei.

Es stimmt, dass für viele das schnelle Geld ein Zugfaktor in die Prostitution ist. Bei den Meisten Frauen (und Männern), bleibt aber kaum etwas von dem Verdienten Geld übrig.

Ein Beispiel: Eine Frau in der Prostitution hat durchschnittlich 7 Freier pro Tag. Mit Kondom kostet das ungefähr 30€. Somit macht sie 210€ am Tag. Wenn sie 5 Tage die Woche arbeitet, sind das 4200€ monatlich. Das klingt erstmal nicht so wenig. Wenn wir aber die Ausgaben anschauen, die Organisationen die direkt mit Betroffenen arbeiten bestätigen, dann zahlt sie erstmal ca. 120€ Miete im Bordell. Und das pro Tag. Das macht im Monat 2300€. Für die Wohnungsmiete oder die Zimmermiete im Bordell für Übernachtungen zahlt die Frau nochmal mindestens 800€. Für tägliche Ausgaben (Kleidung, Kondome, Essen,…) berechnen wir ca. 400€. Was bleibt, sind 700€.

Was in der Berechnung jetzt aber noch nicht drinnen ist:

  • die Meisten Frauen haben einen Zuhälter, dem sie mindestens 50% ihrer Verdienste abgeben müssen.

  • Viele Frauen, schicken Geld zu ihren Familien nach Hause oder haben Kinder im Ausland zu versorgen.

  • In Österreich zählt Prostitution zur „neuen Selbstständigkeit“. Das heißt die Frauen und Männer, die registriert sind zahlen Steuern an den Staat. Wer Bekannte im Bereich der Selbstständigkeit hat weiß, das ist nicht wenig, was man Abzugeben hat. Um Kranken- und Unfallversichert zu sein, gibt man Grundsätzlich die Hälfte seines Verdienstes ab.

Wie man sieht: der Mythos der „reichen Prostitutierten“ geht nicht auf.

Wenn du über weitere Mythen in der Prostitution lesen willst, dann kannst du dir die „18 Mythen über Prostitution“ (verlinken) von der „European Womans Lobby“ durchlesen. 

PROSTITUTION IST MIT EINEM HOHEN GEWALT- UND GESUNDHEITSRISIKO VERBUNDEN

In einer Studie gaben mehr als 50 % der befragten prostituierten Frauen an, schon einmal Opfer einer Gewalttat durch Sexkäufer, Zuhälter oder Bordellbesitzer geworden zu sein (Deutsche Studie des BMFSFJ, siehe „Quellen“). Außerdem wurde festgestellt, dass Prostitution oft mit schweren körperlichen und psychischen Belastungen verbunden ist und überwiegend von Personen ausgeübt wird, die besonders leicht verwundbar sind:

  • 41 % berichten, körperliche oder/und sexuelle Gewalt in der Prostitution erlebt zu haben

  • 25 % hatten gelegentlich oder häufig Selbstmordgedanken

  • 41 % konsumierten in den letzten zwölf Monaten Drogen

Viele wiesen gesundheitliche Beschwerden u. a. im gynäkologischen sowie im Magen-Darm-Bereich auf Diverse nationale und internationale Untersuchungen haben weiterhin ergeben, dass viele sich prostituierende Frauen in ihrer Kindheit und/oder Jugend sexueller, psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt waren.

Heide, ehrenamtlicher Gynäkologe bei der Fachberatungsstelle „Amalie“ für Frauen in der Prostitution, beschreibt den Gesundheitszustand der meisten sich prostituierenden Frauen als katastrophal (2016: 9). Er berichtet von schwangeren Frauen, die sich bis kurz vor der Entbindung prostituieren und dem Druck einiger Frauen nach der Geburt trotz Geburtsverletzungen wieder durch die Prostitution Geld zu verdienen (ebd.: 2ff.). Die sich prostituierenden Frauen müssen dabei Ekel und Abneigung unterdrücken (ebd.: 9).

In Deutschland ist es außerdem problematisch, dass viele sich prostituierende Personen nicht krankenversichert sind.  Die Einschätzung von Heide, dass ca. 90 % aller Frauen in der Prostitution keine Krankenversicherung haben, deckt sich mit den Ergebnissen der Studie des Robert Koch-Instituts von 2015. Eine durch die Bundesregierung beauftragte Evaluation des Prostitutionsgesetzes ergab, dass zwar die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen wurden, damit sich prostituierende Menschen Zugang zu einem Beschäftigungsverhältnis und zu Sozialversicherungsleistungen erlangen können, jedoch wurde dies kaum in Anspruch genommen. Nur 1 % der Befragten gab an, einen Arbeitsvertrag als Prostituierte zu haben und nur wenige waren als Prostituierte krankenversichert (BMFSFJ 2007: 16, 80).

PROSTITUTION UND SEXISMUS SIND ENG MITEINANDER VERKNÜPFT.

Einige Organisationen und Experten/innen sehen in der Prostitution durch die Vermarktung von Frauenkörpern eine Ungleichheit zwischen den Geschlechtern.

Rahel Gugel z. B. bezeichnet die Prostitution als ein sexistisches System**. Dies zeige sich im Frauenbild, welches von der Sexindustrie sowie der Werbung verbreitet wird, aber auch in den Kommentaren und Bewertungen in sogenannten Freierforen zu finden ist.  Das „Lusthaus“- Forum wirbt beispielsweise mit dem Slogan: „Huren, Escorts und Bordelle im anonymen Ficktest“ und „brüstet sich damit die „Stiftung Hurentest“ zu sein, ganz „ohne Zensur“.

Bei Interviews mit verschiedenen Freiern im Bordell Paradies, bekommt Bettina Flitner auf ihre Frage „Warum sind Sie hier?“ unter anderem folgende Antworten:

„Warum ich für Sex bezahle? Frauen gehen mir oft auf den Sack. Sie machen Stress. Dafür zu zahlen, das hat was. Ins Gesicht abspritzen kostet 50 extra. Eigentlich ist das Macht. Man kann mit der Frau machen, was man will.“  (Christian, 23, Kaufmann, Single) (http://bit.ly/2vHv0h8)

„Wenn man in so einen Club geht, ist man mit normalen Frauen nicht mehr zufrieden. Die Figuren! Meine Tochter ist 26, ich achte darauf, dass die Frauen mindestens 27 sind. Viele hier haben Zuhälter, das habe ich schon selbst gesehen."  (Joachim, 58, Ingenieur, getrennt, 1 Tochter) (http://bit.ly/2gB600j)

Dass sich Freier zum Teil als Konsumenten betrachten, die sich ihre Ware im Bordell aussuchen, um ihr eigenes sexuelles Verlangen zu befriedigen, verdeutlicht das folgende Zitat: „Also für mich ist das, war das so, als wenn die eine Ware ist, als wenn ich in einen Laden gehe und mir eine neue Tür oder irgendwas kaufe. So ist das auch […]“ (Gugel 2011: 64)

Grenz stellt in ihrer empirischen Studie folgendes über käufliche Sexualität fest: „Sex ist männlich, wichtig, hat mit Liebe nichts zu tun und kann von Männern konsumiert werden“ (2007: 161).

Auch stellt sich die Frage nach Machtverhältnissen und Gleichberechtigung. Ein Mann, der eine Frau kauft, glaubt meist, dass er mit ihr machen kann,w as er will. Er hat ja dafür bezahlt. Auch das Geschlechter Ungleichgewicht in Angebot und Nachfrage, zeigt ein Verhältnis, dass keine Gleichstellung zwischen Männern und Frauen zulässt.

** Sexistische Vorstellungen beruhen auf der Ansicht, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts von Natur aus zweitrangig sind. Sexismus zeigt sich in „Vorurteilen, Weltanschauungen, in sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Regelungen, aber auch individuell-persönlich in Form faktischer Gewalttätigkeit oder Ausgrenzung vor.“ (Gugel 2011: 39)

Quellen

  • Bundeskriminalamt- https://bundeskriminalamt.at/303/files/Web_Menschenhandel_Bericht_2014.pdf

  • Schrader, K. (2013): Drogenprostitution. Eine intersektionale Betrachtung zur Handlungsfähigkeit drogengebrauchender Sexarbeiterinnen. Bielefeld: Transcript Verlag.

  • Paulus, M. (2016): Im Schatten des Rotlichts. Verbrechen hinter glitzernden Fassaden. Ulm: Verlag Klemm+ Oelschläger.

  • Die Presse- http://diepresse.com/home/panorama/wien/5240571/Die-Rueckkehr-des-Kinderstrichs- ins-Wiener-Stuwerviertel

  • Sporer, H. (2013): Vortrag zum Seminar der European Women`s Lobby „Reality of Prostitution“ am 01.10.2013 in Brüssel. Zugriff am 24.09.2017 unter http://bit.ly/2r0DlVY.

  • BMFSFJ (Hrsg.) (2004a): Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zur Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Zugriff am 24.09.2017 unter http://bit.ly/2kRmhOX.

  • BMFSFJ (Hrsg.) (2004b): Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Ergebnisse der repräsentativen Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Kurzfassung. Zugriff am 24.09.2017 unter http://bit.ly/2lzkTV8.

  • BMFSFJ (Hrsg.) (2007): Bericht der Bundesregierung zu den Auswirkungen des Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten (Prostitutionsgesetz–ProstG). Zugriff am 24.09.2017 unter http://bit.ly/2eX7HFd.

  • Dt. Bundestag (2016): Gesetz zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen. Bundesgesetzblatt Jahrgang 2016 Teil I Nr. 50. Zugriff am 24.09.2017 unter http://bit.ly/2sj2L3d.

  • Niesner, E. (2014): Stellungnahme FIM – Frauenrecht ist Menschenrecht e. V.. Zugriff am 24.09.2017 unter http://bit.ly/2lDF8kU.

  • Gugel, R. (2011): Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitutionsgesetz und Art. 3 II Grundgesetz. Eine rechtspolitische Untersuchung. Berlin.

  • Herriger, F. (2017). „Stiftung Hurentest“ - Im Tripadvisor der deutschen Freier. Vice. Zugriff am 21.09.2017 unter http://bit.ly/2wObpL2.

  • Grenz, S. (2007): (Un)heimliche Lust. Über den Konsum sexueller Dienstleistungen. 2. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

  • ZDF Dokumentation „Bordell Deutschland- Milliardengeschäft Prostitution“

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Pornografie

Pornografie umgibt und beeinflusst uns fast täglich. Egal ob freiwillig oder unfreiwillig, sie begegnet uns in dunerem Alltag. Trotzdem ist das Thema, immer noch, ein Tabuthema.

Uns von lightup ist es wichtig, ein Licht auf das Thema zu werfen und eine Konversation über Pornografie zu starten.

Es ist uns deshalb so wichtig, weil es einerseits sehr stark mit dem Thema Menschenhandel zu tun hat. Wir sehen Pornografie als eine der Wurzeln von Menschenhandel. Andererseits glauben wir, dass das was wir uns anschauen, Auswirkungen auf unsere Handlungen hat. Sowohl im Positiven, als auch im Negativen. Und zu guter Letzt wünschen wir uns, dass junge Menschen ihre Sexualität positiv entfalten und genießen können.

That’s why we do what we do!

Unser Wissen beruht übrigens auf wissenschaftlichen Fakten sowie auf Erfahrungsberichten von Menschen, die ihre Geschichte erzählt haben.

PORNOGRAFIE UND MENSCHENHANDEL

Viele Menschen die wir treffen und denen wir von Menschenhandel erzählen, sind schockiert. „Es gibt Menschenhandel? Hier bei uns in Österreich?“.

Jep, leider! Dass Menschenhandel etwas Schlechtes und ein Verbrechen ist, da sind sich alle einig. Was passiert aber, wenn wir uns und unsere Gesellschaft, unser Konsumverhalten und unsere persönlichen Entscheidungen betrachten? Da wird’s schon schwieriger.

Wir glauben nämlich, dass der Konsum von Pornografie und die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen ein Motor ist, der den Menschenhandel möglich macht. Denn: wo keine Nachfrage, da kein Angebot.

Pornografie ist keine Privatsache!

Die Pornoindustrie arbeitet häufig mit Einschüchterung, Nötigung, Gehirnwäsche und Gewalt. Kommt dir bekannt vor? Vielleicht weil du schon mal die Definition von Menschenhandel gelten hast:

„Menschenhandel ist der Handel von Menschen in besonderer Hilflosigkeit, durch Androhung oder Anwendung von Gewalt sowie Manipulation, zum Zwecke der Ausbeutung.“ (UN Definition)

Das Problem ist, dass viele sich Menschenhandel in der „Hollywood“ Version vorstellen. Besonders im Bereich der sexuellen Ausbeutung. Es kommen einem sofort Bilder von dunklen Kellern, Ketten, Entführung usw. Und diese Art von Menschenhandel gibt es natürlich, und das nicht selten.

Wir wollen aber tiefer Blicken. Was, wenn die „Hollywood“ Version nur ein Teil des Bildes über sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel ist?

Viele Betroffene von Menschenhandel, besonders in der Pornoindustrie, bleiben unsichtbar. Vielleicht haben sie nicht die „typische Geschichte“ von Migration, Gewalt, Eingesperrt sein oder ähnliches. Oft sind es Personen aus unserem Umfeld, oder aus Ländern wie Amerika oder England, die durch Manipulation, Missbrauch in der Kindheit oder Perspektivenlosigkeit in der Pornografie landen. Alles was es laut der Definition von Menschenhandel braucht ist Manipulation. Keine physische oder „sichtbare“ Gewalt.

„I was in California and I had a blowjob scene. […] I go there and he’s like, “Oh yeah, it’s a forced blowjob,” And I’m like, “What?” Just one guy, one little camera on a tripod. […] I was scared. I was terrified. I didn’t know what to do. I didn’t know if I could tell him no. Or the fact that we already recorded 15 minutes of it, if I could just f—ing leave. Then what? That’s when I understood that’s how rape victims feel. Like, they feel bad about themselves.“ (Hot Girls wanted, Netflix)

Es gibt aber auch genug Fälle, wo man nicht hinter die Kulissen blicken muss. Frauen und Männer, die in die Pornografie gezwungen wurden. Die Entführt wurden und deren Vergewaltigung als Pornografie verkauft wurde. Die unter ständiger Bewachung standen und keinen Kontakt zur Außenwelt hatten. Die auf Titelseiten von Pornomagazinen zu sehen waren und sich später herausgestellt hat, dass sie Opfer von Menschenhandel waren.

Einige dieser Geschichten könnt ihr in der Dokumentation von Fight the new Drug „Brain, Heard, World“ (Verlinken -> https://brainheartworld.org/?_ga=2.91605850.1364802154.1561457157-948749118.1542278524) hören.

Quellen